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Gastbeitrag von Ruedi Lötscher

Über den Autor:

Ruedi Lötscher
(*1953 in Luzern geboren) ist gelernter Schriftsetzer und hat bis 2006 alle einschneidenden Umwälzungen dieser Branche miterlebt. Seit 2006 braucht ihn der Arbeitsmarkt nicht mehr. Als Erwerbs-, aber nicht Arbeitsloser hat er nun vermehrt Zeit, sich mit gesellschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen.

01.04.2011

Ein neuer Gesellschaftsvertrag für neue Herausforderungen

Eine Utopie begibt sich in der Schweiz auf den Weg in die Wirklichkeit. Es ist die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens (bGE).

Das bGE ist ein zukunftstauglicher Gesellschaftsvertrag. Es garantiert die Existenzsicherung aller in der Schweiz lebenden Menschen. Es ist so bemessen, dass eine kulturelle Teilhabe (Siehe Abschnitt: «Kulturelle Teilhabe») ermöglicht wird. Dadurch werden andere Sozialversicherungen weitgehend überflüssig. 

Wozu braucht es ein Grundeinkommen?

Die Zeiten haben sich grundlegend geändert. Während früher so viele Güter wie möglich erzeugt werden mussten, um wenigstens den dringendsten Bedarf der Menschen zu decken, muss heute so viel wie möglich verbraucht werden, um unsere Arbeitsplätze einigermassen zu sichern; der Arbeitsmarkt kann immer weniger Mitwirkende aufnehmen – Konsumenten aber braucht er dringend. Deshalb muss den vom Arbeitsmarkt verschmähten Menschen, gerade auch im Interesse von Industrie und Dienstleistern, unbedingt ein Grundeinkommen ausbezahlt werden.

Ehrenamt statt Lohnarbeit

Da mit dem bGE Arbeit und Einkommen teilweise voneinander entkoppelt werden, wird der Wert einer Arbeit nicht mehr vor allem am Lohn gemessen, sondern an der Nützlichkeit und dem Sinn der Arbeit. Das wertet die ehrenamtliche Tätigkeit auf.

Familienpolitik

Befreiend wirkt das Grundeinkommen auch auf Familien. Kinder sind kein Armutsrisiko mehr. Paare, die sich trennen, haben kaum noch Alimentenstress, denn das Grundeinkommen ist an die Kinder gebunden, wo auch immer sie leben.

Geld und Menschenwürde

Geld ist heute für ein Leben in Würde ebenso unerlässlich geworden wie Luft und Wasser. Ohne Geld geht gar nichts mehr. Ein menschenwürdiges selbstbestimmtes Leben kann in unserer Zeit deshalb nur gewährleistet werden, wenn sämtlichen Menschen im Land ein Einkommen zur Verfügung steht. Diese Leistung erbringt das bGE.

Die zwei Funktionen des Geldes

Geld hat zwei wesentliche Funktionen. Zum einen ist es das beste Tauschmittel der Geschichte; zum andern kann es auch für Schneeballsysteme missbraucht werden. Spekulanten und Finanzhaie haben die Wirtschaft vor kurzer Zeit mit solchen Schneeballsystemen an die Wand gefahren. Nur Staatshilfe konnte das Schlimmste verhindern. Die Lohnempfänger müssen nun dafür geradestehen: durch tiefere Löhne oder Arbeitslosigkeit. Deshalb brauchen sie einen Fallschirm; nicht einen goldenen wie die CEOs – aber einen existenzsichernden zumindest. Diese Leistung erbringt das bGE.

Konkurrenzfähigkeit und Emanzipation

Das bGE schafft auch Gerechtigkeit. Da es nicht zusätzlich zum Lohn ausbezahlt wird sondern von unten in diesen hineinwächst (siehe Datei: «Wie das bGE von unten in den Lohn hineinwächst»), schafft es gleiche Augenhöhe zwischen den verschiedenen Teilnehmenden auf dem Arbeitsmarkt. Bisher schlecht bezahlte, so genannt «niedere Arbeiten» werden besser bezahlt oder automatisiert – oder von den Nachfragenden selbst erledigt. Das bGE führt so zu einer neuen Verhandlungsbasis mit besseren Chancen der Arbeitnehmenden; vor allem im Niedriglohnsektor. Aber auch die Arbeitgeber haben einen Vorteil. Aus dem gleichen Grund (weil eben das bGE nicht zusätzlich zum Lohn ausbezahlt wird sondern, in diesen «hineinwächst») ergeben sich Lohnersparnisse – sofern attraktive Arbeitsplätze angeboten werden. Das heisst also:

1. Die Konkurrenzfähigkeit des Werkplatzes Schweiz steigt  

2. Unattraktive, geisttötende Arbeit wird besser bezahlt oder kann ohne Skrupel  automatisiert werden (die Entlassenen werden ja nicht in die Not getrieben sondern «schlimmstenfalls» in die aufgewertete ehrenamtliche Tätigkeit «verschoben»; siehe vorangehenden Absatz). Das gibt einen starken Impuls für innovative Arbeitsabläufe.

3. Attraktive Arbeit wird finanziell eher günstiger erledigt, weil eventuelle finanzielle Einbussen vom bGE abgefedert werden. 

Als Gegenargument wird oft ins Feld geführt, ein bGE sei nicht finanzierbar. Das stimmt deshalb nicht, weil das bGE nicht zusätzlich zum Lohn dazukommt, sondern eben in den Lohn hineinwächst. Es ändert sich ökonomisch nicht sehr viel gegenüber dem Jetztzustand.

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«Kulturelle Teilhabe» - oder: Was alles längst nicht mehr selbstverständlich ist

Sozialhilfe sichert ausschliesslich das Existenzminimum. Ein bedingungsloses Grundeinkommen ist höher, ermöglicht kulturelle Teilhabe. Der Begriff meint:

Bei einer Einladung eine Flasche Wein mitbringen

An einen Fussballmatch gehen

Eine Bekannte spontan zu einem Kaffee und Gipfeli einladen

Eine Zeitung abonnieren

Die Kinder in den Musikunterricht schicken

Ein Konzert besuchen

Eine Kunstaustellung besuchen

Ein Haustier halten

Mit den Kindern in den Zirkus gehen

Sich TV und Internet leisten können

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Grundeinkommens-Stamm in Luzern

Jeden ersten Mittwoch des Monats (19.30 Uhr) findet an der Obergrundstrasse 50 in der Café Bar Peperoncini in Luzern der Grundeinkommens-Stamm Luzern statt. Am 5. Januar 2012 wird der Film «Grundeinkommen – Ein Film-Essay von Daniel Häni und Enno Schmidt» gezeigt. Ort: Pfarreizentrum Barfüsser, Winkelriedstrasse 5, 6003 Luzern. Zeit: 19 Uhr.


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