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Gastbeitrag von Hanns Fuchs

Über den Autor:

Hanns Fuchs
(1943) ist Freier Journalist und aktiver Ruderer. Er schreibt seit mehr als 40 Jahren über den Rudersport und verfolgt seit Jahrzehnten politische Prozesse in der Raumplanung, der Stadtentwicklung und im Sport.

Bild: Herbert Fischer

16.02.2018

Die Schwierigkeit, NEIN zu sagen

Der bekannte Luzerner Journalist Hanns Fuchs hat sein halbes Berufsleben für die SRG gearbeitet, unter anderem fünf Jahre für das Schweizer Radio aus Bonn berichtet. Jetzt überrascht er sein Umfeld: er empfiehlt, der «No Billag-Initiative» zuzustimmen. Auf lu-wahlen.ch schreibt er, warum.

Alles klar: diese Initiative gehört versenkt. Nein, nein und nochmals nein - So lese ich es in den Zeitungen, sehe es im TV und höre es im Radio. Mehr noch: so denken auch viele meiner Freunde und Freundinnen. Und eigentlich müsste ich ja in den Chor der Nein-Sager einstimmen. Immerhin habe ich ungefähr die Hälfte meiner beruflichen Biografie beim «Landessender» gearbeitet. Es waren nicht die schlechtesten Jahre.

Und dennoch habe ich Mühe, im Nein-Chor mitzusingen.

Die Argumente für die Weiterschreibung des Status quo bei der Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Medienangebots sind mir zu fadenscheinig. Nationaler Zusammenhalt dank SRG? Das tönt in meinen Ohren nach dem Fundus aus den Mottenkisten von Radio Beromünster, Sottens und Monte Ceneri. Das waren die drei Mittelwellen-Sender, die praktisch überall im Land empfangen werden konnten. Es gibt die drei sprachregionalen Sender heute nicht mehr. Die technische Entwicklung hat sie überflüssig gemacht. Die Schweiz ist nicht auseinandergebrochen.

Nun will die «NoBillag-Initiative» der SRG den prallen Gebührentopf wegnehmen. Dass sich der Trägerverein des öffentlich-rechtlichen Rundfunks dagegen mit Händen und Füssen und mit schriller medialer Propaganda wehrt, ist verständlich. Es ersetzt aber nicht die sachliche Diskussion um Aufgaben und Grenzen des so genannten Service publique.

Wieviele Radio- und TV-Sender braucht das Land? Sollen platte Unterhaltungssendungen mit Steuergeldern finanziert werden? Diese Diskussion um Auftrag und Grenzen des medialen Service publique haben SRG und Politik verweigert.

Die Quittung dafür ist diese radikale Initiative. Sie zielt auf die Existenz der SRG. Um die SRG ist eine Wohlfühlzone entstanden, in der die «Anstalt» zu einem Medienkoloss wuchern konnte.

Aus den drei sprachregionalen Landessendern sind Dutzende von Radio- und TV-Sendern geworden. Die Entwicklung der SRG zeigt, wie gefräßig und fett eine Institution werden kann, wenn sie sich nicht am Markt behaupten muss, sondern aus dem Topf einer Zwangsabgabe bedienen kann.

Die breite Ablehnung der «No Billag-Initiative» illustriert auch, wie sich die SRG im Verlauf der Jahre und Jahrzehnte krakenhaft ausgebreitet hat.

Es sind Abhängigkeiten entstanden, die eine sachliche Diskussion über Auftrag und Grenzen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in der Schweiz praktisch verunmöglichen – wer will sich schon dem Vorwurf aussetzen, er sei Totengräber der Meinungsvielfalt und damit der Demokratie und darüber hinaus noch ein Kulturbanause. Und wer will sich in die Hand verbeissen, die ihn füttert?

Die SRG wird als Gralshüterin der Demokratie glorifiziert. Die SRG ist nichts anderes als Trägerin und Veranstalterin eines audiovisuellen Medienangebots.

Sie hat journalistisch korrekte Inhalte zu produzieren und zu verbreiten, nicht mehr und vor allem nicht weniger. Das ist nicht billig, und lässt sich anscheinend nicht oder nicht ausreichend über den Markt finanzieren. Soll dafür eine Steuer, eine Zwangsabgabe erhoben werden? Das ist der einfachste Weg, dem Staat Geld zu verschaffen. Die «No Billag-Initiative» stellt diese bequeme Lösung grundsätzlich in Frage. Ich finde das nicht verwerflich.

Darum kann ich nicht in den lauten Chor der Neinsager einstimmen.

Hanns Fuchs, Luzern


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