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Gastbeitrag von Hanns Fuchs

Über den Autor:

Hanns Fuchs
(1943) ist Freier Journalist und aktiver Ruderer. Er schreibt seit mehr als 40 Jahren über den Rudersport und verfolgt seit Jahrzehnten politische Prozesse in der Raumplanung, der Stadtentwicklung und im Sport.

Bild: Herbert Fischer

23.05.2016

Start frei für den «neuen Rotsee»

Mit einer Eröffnungsfeier am 12. Mai ist die Naturarena Rotsee in Betrieb genommen worden. Und schon eine Woche später begann der Ernstfall: Auf dem «neuen Rotsee» kämpfen die weltbesten Ruderer um die letzten Olympia-Startplätze und um Weltcup-Punkte.

Alle baulichen Massnahmen auf dem und um den Rotsee wurde stets mit Augenmass und Fingerspitzengefühl verwirklicht. So blieb die Qualität dieses populären Naherholungsraumes bewahrt.

Bild: Herbert Fischer

Mit der «Naturarena Rotsee» wird das vorläufige letzte Kapitel in der wechselvollen Geschichte des Rotsees geschlossen. Begonnen hat die Geschichte dieses speziellen Gewässers in den Gemeinden Ebikon und Luzern in eisiger  Vorzeit. Die eiszeitliche Reuss fand ihren Weg zur Aare noch durchs heutige Rontal. Als sich der Reussgletscher weiter zurückzog, liess er in der Senke zwischen Sädel im Westen und Hombrig im Osten als Andenken einen mächtigen Toteisblock liegen. Der schmolz still vor sich hin, bis von ihm nur noch ein bescheidenes Seelein von 2200 Meter Länge und etwa 150 Meter Breite übrig war. Die Reuss hatte sich längst ein neues Tal in den Sandstein bei Reussbühl gegraben.

Im frühen 20. Jahrhundert eine stinkende Kloake

Der Rotsee war über Jahrtausende, Jahrhunderte weder für Ebikon noch für Luzern von besonderer Bedeutung. Hier wurden allenfalls Fische gefangen und Schilf geschnitten, später dann auch Eis für die Kühlkeller der Brauereien gestochen. Im 19. Jahrhundert entdeckten die Luzerner den See als Abwasserspeicher – die Abwässer der im Norden der Stadt schnell wachsenden Quartiere im Maihof, um den Bramberg und auf dem Wesemlin flossen bequem in den Rotsee. Im frühen 20. Jahrhundert drohte der Rotsee als stinkende Kloake der Stadt zu enden.

Der Rotsee wurde zum Ärgernis. In der Stadt begann man sich Gedanken zu machen. Der Rotsee stank den Luzernern – buchstäblich. Es gab Projekte für Abwasserreinigungsanlagen, doch die Technik war noch nicht reif. Erfolgreich war die Infusions-Idee: 1920/21 wurde der Reuss-Rotsee-Kanal gebaut. Es war die lebensrettende und -erhaltende Frischwasser-Kur für das serbelnde Gewässer. Mit dem Reusswasser erwachte der Rotsee zu neuem Leben. Die Gewässerschutzmassnahmen mit Abwasserkanälen und Abwasserreinigungsanlagen sicherten sein Überleben und ermöglichten den Aufstieg zum hochwertigen regionalen Erholungsgebiet und zur internationalen Ruderarena. 

Wie die Ruderer den Rotsee entdeckten

Die erste Ruderregatta in Luzern fand am 20. Juli 1876 statt. Veranstaltet vom Hotel National wurden zwei Rennen ausgetragen, eines für «Stossruderer» und eines für «Ziehruderer». Vom Rotsee war keine Rede – die Strecke führte vom Hotel National nach Tribschen und über Seeburg zurück zum National. Richtig in Form kam der Rudersport in Luzern allerdings erst am 21. Mai 1881. An diesem Tag wurde in der «Bierhalle Kunz» der See-Club Luzern gegründet. Der junge Verein führte zwei Jahre später die erste richtige Regatta durch. Auf der Strecke vom Meggenhorn bis zum Hotel National (3800 Meter) wurden drei Rennen ausgetragen. 1900 konnte das erste Achter-Rennen mit einer Mannschaft aus Como ausgetragen werden. Damit hatte sich Luzern als internationaler Regattaplatz etabliert. Aber vom Rotsee war noch weitere drei Jahrzehnte keine Rede. Dazu brauchte es das Debakel der schweizerischen Meisterschaftsregatta von 1932 auf dem Neuenburgersee. Diese SM ging im Sturm unter. Die Luzerner Ruderer wussten schon um die Möglichkeiten des stillen Seeleins im Norden der Stadt. Sie bewarben sich mit dem Rotsee erfolgreich gegen den Berner Wohlensee um die nächste SM. 

1934 erstmals eine EM, 1962 erstmals eine WM

Seit 1933 finden die Meisterschaftsrennen auf dem Rotsee statt. Schon 1934 und dann wieder 1947 wurden hier die Europameisterschaften ausgetragen. Auf der Rotseewiese stand ein Holzschuppen als Bootsgarage, der Zielplatz wurde aufgeschüttet. Die Entwicklung des Rotsees zum «Göttersee der Ruderer» hatte begonnen. Ihren ersten Höhepunkt erreichte sie mit den Weltmeisterschaften von 1962. Sie begründete den Ruf des Rotsees als weltweit fairste Ruderstrecke der Welt. 

Davon konnte der Regattaverein Luzern als Veranstalter gute 50 Jahre zehren. Noch dreimal fanden die Weltmeisterschaften auf dem Rotsee statt: 1974, 1982 und 2001. Kein anderer Ruder-Regattaplatz auf der Welt kann ein solches Palmares vorweisen. Im Jahr 2007 war die Erfolgsstory des Regattaverein Luzern zu Ende. Die selbstbewusst und siegessicher in roten Hosen auftretenden RVL-Repräsentanten scheiterten an der DV des Internationalen Ruderverbandes FISA mit der Bewerbung für die WM 2011 grandios. Luzern war nicht mehr das Mass aller Regattaplätze. Andere Regattaplätze hatten massiv in ihre Strecken und Infrastruktur investiert, der internationale Ruderverband FISA hatte die Anforderungen an die Wettkampfanlagen für internationale Events höhergeschraubt. Luzern musste, wollte der Rotsee im Rennen bleiben, massiv nachrüsten. Der Einsatz hat sich gelohnt. Erst ganz kürzlich erhielt Luzern die Europameisterschaften 2019 einstimmig zugesprochen.

Trainingszentrum, Schulhaus, Bootshalle

Das Ruderzentrum war, ist und bleibt der Kern der Ruder-Infrastruktur am Rotsee. Im alten Zentrum konzentrierte sich die Belegung auf die Regatta-Wochenenden der Internationalen Rotseeregatta und der Schweizermeisterschaft, auf die Trainingswochen davor und auf vereinzelte Kurse während der übrigen Monate. Neu wird das Zentrum auch in der Zeit zwischen den Ruder-Highlights besser genutzt. Eigentümerin und Betreiberin des Zentrums ist die Stiftung Ruderzentrum Rotsee. 

Hauptmieter im neuen Ruderzentrum ist die Four-Forest-International School. Sie belegt vier Klassen- und ein Lehrerzimmer, Nebenräume und einen Teil der Sanitär- und Garderobenfläche im Obergeschoss. Für die Stiftung «ist das eine Ideallösung», sagt Stiftungsratspräsident René Fischer. Während der Regatta dienen die Räume als Büros für Regattaveranstalter und Wettkampfkomissionen. Die intensive und oft auch turbulente Regattanutzung fällt in die Schulferien – Friktionen zwischen den beiden so unterschiedlichen Nutzungen der gleichen Räume werden so umgangen. 

Die zweite grosse Fläche im Obergeschosse wird vom Schweizerischen Ruderverband (SRV) als multifunktionaler Trainingsraum genutzt. Das wertet das Ruderzentrum Rotsee für den Verband massiv auf. Die Anlage kann künftig als vollwertiges Trainingszentrum für Nationalmannschaft, Nachwuchskader und Kurse genutzt werden. Während der Regatta ist der rund 200 Quadratmeter grosse Raum die «Food-Station» für Athleten und Funktionäre. Damit wird ab 2017 das Verpflegungszelt am Rand der Rotseewiese nicht mehr benötigt. Das wertet den Freiraum fürs Publikum auf.

Auch im Erdgeschoss, in den Bootshallen, mietet sich der SRV ein. «So müssen wir das teure Bootsmaterial nicht mehr im Freien lagern», freut sich SRV-Direktor Christian Stofer. In den Rest der Bootshallenfläche im Erdgeschoss teilen sich die lokalen Rudervereine SC Luzern, RC Reuss Luzern und RC Rotsee. Im östlichen Teil des Erdgeschosses sind während der Regatta Dopingkontrolle, Sanitäts- und Ärzteraum untergebracht. 

Heimat für den RC Rotsee

Im Regattazentrum mietet der 1996 gegründete Ruderclub Rotsee neben den Hallenplätzen für die Boote auch einen 50 Quadratmeter grossen Clubraum. Damit erhält der RC Rotsee auch seine eigentliche Heimat im Zentrum der Naturarena.

Aufwertung für den Erholungsraum 

Mit der Naturarena ist auch der Erholungsraum Rotsee aufgewertet worden. Das ist neu am Rotsee:

- Seit 2013 ist der neue Zielturm das Wahrzeichen der Naturarena Rotsee. 

- Der Zielplaz hat einen neuen Belag erhalten. Das freut die «Stehplatz»-Zuschauer und die Flanierenden, die sich gern zwischen den Zieleinläufen die Beine vertreten.

- Der Uferweg zwischen Rotseewiese und Zielplatz hat einen neuen Belag erhalten. Bei der 1600m-Marke, einem für Zuschauer sehr attraktiven Abschnitt, ist der Raum für Publikum und Verkaufsstände deutlich grösser. Der Uferweg ist durch die Oberflächensanierung wesentlich besser begehbar.

- Bei der Rotseewiese erlauben Aussichtsstufen eine wesentlich bessere Sicht auf die Strecke und das Wettkampfgeschehen. Durch die Abtreppung kann auch der Schilfbestand erhalten bleiben. 

- Das Grenzbachdelta ist neu gestaltet worden. In diesem Bereich erhalten auch die Helfer der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft für sich und ihre Boote mehr Raum.

- Die Startanlage wurde total erneuert, auch unter Wasser. Die «Fingerdocks» für die acht Startbahnen können nun direkt über eine Brücke aus der Rotsee-Badi erreicht werden. In der Badi selbst wird das Startrichter-Haus als Ort für die Badeaufsicht genutzt.

- Nicht zu sehen, aber für die Wettkämpfe in der Naturarena unerlässlich sind die Investitionen unter Wasser. 20 000 Meter wurden für die Albano-Streckenmarkierung in den See gelegt. Dazu kommen die Datenkabel, die Start, Ruderzentrum und Ziel vernetzen. 

Hanns Fuchs, Luzern 


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