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Die Redaktion empfiehlt

01.10.2018

luzernerzeitung.ch will «die beste Zeitung» werden

«Wir wollen online und gedruckt die beste Zeitung für Sie machen und diese stets weiterentwickeln»: Dies schreibt Pascal Hollenstein, Leiter Publizistik und in dieser Funktion im Hause «NZZ» verantwortlich für die «LZ», heute Montag (1. Oktober) auf luzernerzeitung.ch.


Siehe unter «Links».

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Jetzt wird also alles besser: «Wir wollen die beste Zeitung machen». Hoppla, jetzt gehts los.

Das wird aber ein weiter Weg.

Wir gehören allerdings zu den Ersten, die sich darob freuen. Und wir erkennen mit Respekt: es hat sich vieles gebessert, seit die «LZ» in der Person von Jérôme Martinu einen anderen Chefredaktor hat. Das sagen auch andere und nehmen zur Kenntnis, dass - zum Beispiel - Kommentare inzwischen Kommentare sind; dass sie persönliche Meinungen zum Ausdruck bringen und nicht mehr mit diesen nervigen Floskeln enden wie «... sowohl-als-auch ... » und «... wird die Zukunft erst weisen müssen ...»; dass man weiss, was die KommentarschreiberInnen persönlich wirklich meinen und nicht, was sie sich gerade noch zu schreiben getrauen, ehe sie von der launischen und hysterischen Heimleitung aufs Dach kriegen.

Kommentare sind eben persönliche Meinungen und versuchen einzuordnen, zu werten und zu gewichten. Sie haben nicht die Aufgabe, irgendwem zu gefallen, sondern widersprechen auch, ecken an, machen ihre AutorInnen vielleicht unbeliebt, noch unbeliebter gar, als sie eh schon sind. Auch das ist übrigens eine Berufskrankheit: anderen gefallen zu wollen. Doch das wäre ein Thema für sich.

Fakten sind heilig, die Meinung ist frei: das ist eine der Kernbotschaften der angelsächsischen Berufsethik. Basta. 

Klar anders geworden ist unter Jérôme Martinu auch, dass Themen nicht mehr aussen vor bleiben, wenn sie den Chefredaktor persönlich erzürnen, bevor sie überhaupt recherchiert werden. Dafür gibts Beispiele genug, die hier bei Bedarf gerne in epischer Breite ausgebreitet werden könnten. 

Unisono sagen RedaktorInnen auch, das Arbeitsklima an der Maihofstrasse 76 sei «im Vergleich zu früher wie Tag und Nacht».

Das alles sind wichtige Voraussetzungen, um besser zu werden.

Ob die «LZ» allerdings, wie Pascal Hollenstein frohlockt, «die beste Zeitung» wird (zusammen mit der «AZ» und dem «St. Galler Tagblatt» als Teil eines neuen Medienverbundes namens CH Media) ist davon abhängig, wie weit der Weg dorthin denn ist und wie konsequent er beschritten wird. 

Aber machen wir uns nichts vor: den gedruckten Medien gehts wirtschaftlich schlecht. Die Anzeigenmärkte sind längst implodiert, Auflagezahlen schrumpfen weiter, die «Gratis-Mentalität» («20 Minuten», «Blick am Abend») grassiert nach wie vor. Was das Internet ohne Bezahlschranke bietet, reicht vielen, sehr vielen Leuten vollauf, um das Gefühl zu haben, ausreichend informiert zu sein und mitreden zu können. Das sind Rahmenbedingungen, die auch an der Maihofstrasse 76 in Luzern nicht verändert werden können und die auch dort zu Budgetvorgaben führen, die schlichtweg Horror sind; von der personellen Unterdotierung der Redaktion ganz zu schweigen.

Die «LZ» dient zudem seit Jahren - zusammen mit dem «St. Galler Tagblatt» - als Milchkuh, um das nach rechts aussen abdriftende Flaggschiff dieses Medienkonzerns, die «NZZ», zu alimentieren und um Selbstdarstellungen und hochnäsiges Imponiergehabe zu finanzieren.

Fortsetzung folgt, wir bleiben dran.

Herbert Fischer, Redaktor lu-wahlen.ch, Luzern